Warum ich beim Kunstmuseum-Projekt Ja sage – und weshalb ein Nein nicht „gratis“ ist
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Im Kanton Bern stimmen wir bald über das Kunstmuseum-Projekt ab. Dabei fällt oft ein Satz wie: „Dann machen wir halt einfach nur eine Sanierung, das ist billiger.“ Genau hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn die Gebäude müssen ohnehin saniert werden. Ein Nein würde die Sanierung nicht wegzaubern. Es würde sie höchstens verzögern – und damit das Risiko erhöhen, dass es am Ende teurer wird.
Worum geht es konkret? Das Kunstmuseum Bern ist ein Museum von nationaler Bedeutung. Solche Institutionen strahlen weit über den Kanton hinaus. Gleichzeitig sind die heutigen Gebäude in die Jahre gekommen. Eine umfassende Sanierung ist notwendig – unabhängig davon, wie man abstimmt.
Was kostet es, wenn man „nur saniert“? Im Bericht ist auch eine Sanierungsvariante ohne das Projekt „Eiger“ beziffert. Diese reine Sanierung (Stettlerbau und Atelier-5-Bau, ohne Neubau und ohne Einbezug Hodlerstrasse 6) wird mit rund CHF 70.9 Mio. Projektkosten ausgewiesen (Preisstand April 2023). Mit der im Bericht verwendeten pauschalen Annahme von +10% Teuerung bis 2033 ergibt das rund CHF 78.0 Mio.
Für den Kanton entscheidend ist aber, was davon effektiv beim Kanton hängen bleibt. In der Übersicht wird für die Sanierungsvariante ein Lotteriefondsbeitrag von – CHF 4.0 Mio. angenommen. Damit lägen die ordentlichen Staatsmittel, die der Kanton tragen müsste, bei rund CHF 67.0 Mio. (Preisstand April 2023, gerundet). Mit der gleichen +10% Teuerungsannahme bis 2033 sind es rund CHF 74.0 Mio.
Kurz gesagt: Selbst „nur sanieren“ kostet den Kanton gemäss Bericht grob 67 Mio. Franken (heute) bzw. 74 Mio. Franken (mit Teuerung bis 2033).
Warum ist das wichtig für die Abstimmung?
Weil damit klar wird: Ein Nein ist nicht die „Null-Kosten-Variante“. Die Sanierung kommt so oder so. Nur: Wenn wir jetzt Nein sagen, verlieren wir Zeit. Und Zeitverlust heisst bei Bauprojekten fast immer: höhere Kosten. Allein schon wegen Teuerung, erneuter Planung, neuer Ausschreibungen und der Gefahr von Zwischenlösungen.
Dazu kommt der zweite, zentrale Punkt: Die privaten Mittel. Beim Projekt „Eiger“ sind grosse private Beiträge vorgesehen. Das Kunstmuseum Bern rechnet mit rund CHF 52 Mio. privaten Mitteln. Diese Gelder stehen nicht einfach automatisch bereit, wenn der Kanton später irgendwann eine reine Sanierung macht. Im Gegenteil: Wer das Gesamtprojekt kippt, riskiert, dass diese privaten Beiträge für den sinnvollen Ausbau nicht mehr zur Verfügung stehen – und der Kanton am Ende mehr allein tragen muss.
Mein Fazit
Ich bin für das Kunstmuseum-Projekt, weil wir (aus Sicht des Kantons) die Sanierung ohnehin bezahlen müssen. Mit dem Projekt „Eiger“ haben wir aber eine bessere Gesamtlösung, klare politische Leitplanken und zusätzliche private Mittel für eine sinnvolle Weiterentwicklung. Ein Nein verschiebt die Probleme, macht sie eher teurer – und gefährdet die private Mitfinanzierung, die Bern jetzt nutzen kann.
Übersicht Abstimmungsverhalten JA / NEIN:
Punkt / Abstimmungsresultat | JA: Projekt „Eiger“ | NEIN: voraussichtlich „nur Sanierung“ |
Was wird gemacht? | Sanierung Stettlerbau + Ersatzneubau + Einbezug/Sanierung Hodlerstrasse 6. Zusätzlich neuer Haupteingang/Foyer, bessere Barrierefreiheit und betriebliche Verbesserungen. | Sanierung der bestehenden Gebäude (ohne Ersatzneubau/ohne sinnvollen Ausbau). Die Sanierung kommt trotzdem, weil der Zustand es langfristig verlangt. |
Zusatznutzen | Mehr zeitgemässe Infrastruktur und bessere Abläufe. Hauptnutzfläche +1’749 m² (von 6’816 auf 8’565 m²). | Kein Ausbau, keine zusätzlichen Flächen und weniger Verbesserung der Infrastruktur (nur „notwendige“ Sanierung). |
Kosten Kanton Bern | Kostendach: CHF 81.057 Mio. (ordentliche Staatsmittel). Gilt inkl. Teuerung (und gemäss Auflage sogar inkl. allfälliger MWST-Erhöhung). Kostendach darf nicht überschritten werden; Mehrkosten müssen kompensiert werden. | Kanton (ordentliche Staatsmittel) ca. CHF 67.0 Mio. (Preisstand 04/2023), mit +10% Teuerung bis 2033 ca. CHF 74.0 Mio. |
Private Mittel | Rund CHF 52 Mio. private Beiträge (wichtige Entlastung für den Kanton). | Voraussichtlich keine vergleichbaren privaten Beiträge, weil kein Ausbau/Gesamtprojekt – private Mittel wären damit sehr wahrscheinlich nicht verfügbar. |
Risiko „Zeitverlust“ | Projekt kann umgesetzt werden, Planungssicherheit dank Kostendach. | Verzögerung ist wahrscheinlich; Zeitverlust führt erfahrungsgemäss zu höheren Kosten (Teuerung, neue Projektierung/Ausschreibungen). Eine fixe Zusatzsumme ist im Bericht nicht beziffert. |



