
Humor ist keine Nebensache
Ich liebe Humor. Nicht den lauten, sondern den treffsicheren. Nicht den verletzenden, sondern den entwaffnenden. Humor ist für mich kein Beiwerk – er ist eine Haltung. Und manchmal sogar ein Rettungsring.
Früher waren es Grössen wie Loriot oder Otto. Beobachter des Alltags, Meister der feinen Überzeichnung, des leisen Lachens über menschliche Schwächen. Humor, der nicht erklären musste, warum er lustig ist – er war es einfach.
Heute schätze ich eher den pointierten Alltags- und Gesellschaftshumor. Johann König mit seiner scheinbaren Zerstreutheit, die in Wahrheit präzise Beobachtung ist. Mario Barth mit Zuspitzung, Wiedererkennung und dem Mut, Dinge auszusprechen, die viele denken. Man lacht, weil man sich selbst ertappt fühlt.
Geprägt haben mich auch Fernsehmomente, die ganze Generationen verbanden: Viktors Spätprogramm – klug, respektlos und überraschend. Oder die Versteckte Kamera mit dem unvergesslichen Kurt Felix, der gezeigt hat, dass Humor auch freundlich, neugierig und menschenzugewandt sein kann. Und natürlich die grossen Samstagabend-Shows: gemeinsames Lachen, gemeinsames Staunen, ein kollektives Durchatmen nach der Woche.
Auch englischer Humor hat seinen festen Platz bei mir. Trocken, selbstironisch, manchmal gnadenlos – aber fast immer intelligent. Ein Humor, der nicht laut sein muss, um zu wirken.
Leider sind heute nicht mehr alle Formen davon uneingeschränkt salonfähig.
Moralische Neuempfindungen haben die Grenzen enger gezogen. Das mag gut gemeint sein, geht aber manchmal auf Kosten der Leichtigkeit. Denn Humor lebt davon, auch Unbequemes auszusprechen – ohne gleich böse Absichten zu unterstellen.
Gerade wer Verantwortung trägt, merkt schnell: Ohne Humor wird man entweder verbissen oder zynisch. Beides ist unerquicklich. Humor schafft Distanz – vor allem zu sich selbst. Und wer über sich selbst lachen kann, nimmt sich ernst, aber nicht zu wichtig.
Humor ist kein Zeichen von Oberflächlichkeit, sondern von Souveränität. Er zeigt Stabilität, Gelassenheit und die Fähigkeit, Spannungen zu lösen, statt sie zu verschärfen.
Und ganz ehrlich: Wer Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Alltag gleichzeitig unter einen Hut bringt, braucht Humor. Viel Humor. Sonst würde man an Sitzungen verzweifeln. Oder an Protokollen. Oder an sich selbst.
Humor ist für mich deshalb auch eine Form von Resilienz. Eine freundliche Art, dem Ernst des Lebens zu sagen:
Ich sehe dich – aber du bestimmst nicht alles.






