
Man sieht sich immer zweimal im Leben
Es gibt ein Motto, das mich durchs Leben begleitet:
Man sieht sich immer zweimal im Leben.
Darum lohnt es sich, Dinge korrekt zu machen. Nicht zu bescheissen. Nicht den einfachen Weg zu wählen. Denn alles, was man tut, kommt irgendwann zurück — meist in einem Moment, in dem man es gar nicht erwartet.
Besonders eindrücklich wurde mir das vor über 15 Jahren bewusst, als ich beim Samschtig-Jass des Schweizer Fernsehens mitmachen durfte. Und nicht nur einmal:
Fünf ausgestrahlte Sendungen und zusätzlich fünf Probesendungen — insgesamt zehn Runden, eine nach der anderen. Und das Erstaunliche war: Über all diese Runden hinweg hatte ich kaum Differenzpunkte. Es lief einfach. Sauber gespielt, konzentriert, korrekt.
Doch dann kam die letzte Sendung. Und mit ihr ein gewisser Matthias Aebischer — damals bereits Nationalrat. Heute sieht man ihn in ganz anderen politischen Funktionen in der Stadt Bern, aber dort sass er schlicht am Jasstisch. Und was macht er?
Er sticht mir tatsächlich das Nell mit dem Bauer ab! Wer jasst, weiss: Das macht man nicht.
Die Folge: Wir beide hatten eine riesige Differenz — mitten in meinem bis dahin fast perfekten Lauf.
Eine Revanche? Bis heute offen.
Wir sind uns politisch schon einige Male begegnet, aber am Jasstisch nie wieder. Ich hoffe, die Gelegenheit kommt noch. Das Nell wartet.
Es gibt aber Begegnungen aus dieser Zeit, die mich auf einer ganz anderen Ebene berührt haben.
Beim Samschtig-Jass spielte ich damals auch mit Ueli Steck — der „Swiss Machine“. Ein aussergewöhnlicher Mensch: präzise, freundlich, bescheiden, humorvoll. Einer, der selbst beim Jassen eine beeindruckende Konzentration ausstrahlte.
Jahre später war ich als geladener Gast in meiner Funktion als Grossratspräsident an seiner Trauerfeier. Ein stiller Moment, der vieles ins Verhältnis rückte. Der fröhliche Jassabend, die Leichtigkeit, sein Lachen — und dann der Abschied. Zwei vollkommen unterschiedliche Augenblicke, verbunden durch einen Menschen, den man nicht vergisst.
Und einmal mehr dachte ich an mein Motto:
Man sieht sich immer zweimal im Leben — manchmal mit einem Lächeln, manchmal mit einem Kloss im Hals.
Darum lohnt es sich, korrekt zu leben, fair zu spielen und respektvoll zu handeln.
Am Ende bleibt, wie man war — nicht, welchen Stich man gemacht hat.






